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Wie Chip-Knappheit die Lieferzeit Ihres Autos verlangsamt

Okt 18, 2021

Artikel verfasst von Effective Media - Die in diesem Artikel geäußerten Analysen und Meinungen sind ausschließlich die des Autors und nicht die von ADESA Europe.

„Halbleiter“. Bis vor kurzem war das Wort kaum bekannt, aber heutzutage ist es oft in aller Munde. Schließlich hat die Tatsache, dass Ihr Auto, Ihre Playstation oder Ihr Computer später als geplant geliefert wird, mit dieser einen Kleinigkeit zu tun. Aber was ist es, und warum hinkt die Produktion so sehr hinterher?

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise wurden durch entsprechende Maßnahmen fast 90 % der Fahrzeug- und Teilefabriken in China, Nordamerika und Europa stillgelegt. Gleichzeitig haben die Autohersteller den Einkauf von Halbleitern stark reduziert, weil viel weniger Autos verkauft wurden. Schließlich arbeiten die Automarken nach dem Just-in-Time-Prinzip, bei dem sie so wenig Teile wie möglich auf Lager halten, um die Logistikkosten zu senken.

Chip chortage

Was jedoch während der Corona-Krise reibungslos über die Ladentheke ging, waren Computer, Fernsehgeräte, andere Unterhaltungselektronik und medizinische Geräte. Es waren daher diese Branchen, die hohe Aufträge bei den Halbleiterherstellern platzierten, während sich die Autoindustrie mit ihren Bestellungen noch etwas zurückhielt.

Die Folge: Als der Automarkt im dritten Quartal 2020 wieder anzog, führte das zu Lieferproblemen. Schließlich standen sie ganz hinten in der Warteschlange. Und weil so viele Bestellungen bei den Halbleiterherstellern eingegangen sind, haben wir jetzt Lieferprobleme. Eine schnelle Lösung gibt es nicht, denn die durchschnittliche Vorlaufzeit der Halbleiterfabriken bis zur Auslieferung der Bestellungen an die Kunden beträgt 26 Wochen.


Lange Vorlaufzeiten

Zu allem Überfluss brach im März dieses Jahres ein Feuer bei dem japanischen Unternehmen Renesas aus, einem riesigen Hersteller, der sich auf so genannte „Legacy-Chips“ spezialisiert hat, die fast ausschließlich im Automobilsektor eingesetzt werden. Eserweist sich als schwierig, die Produktion wieder auf den Standard zu bringen: Renesas arbeitet Berichten zufolge immer noch nicht mit Kapazitäten aus der Zeit vor Korona. Und so summiert sich alles.

Wir hören Gerüchte über Verzögerungen bei vielen Autoherstellern. Ford rechnet mit einem Produktionsrückgang von 10 bis 20 % und arbeitet nur mit einer Grundauslastung. Das hat zur Folge, dass sich die Bestellungen für den Ford Focus um etwa einen Monat verzögern. Volkswagen erwartet Auswirkungen auf die Fahrzeuge seiner MQB-Plattform, zu der der Golf und der Tiguan gehören.

Nissan und Honda haben die Produktion im Vereinigten Königreich aufgrund von Lieferproblemen vorerst pausiert, und Daimler sagt – zurückhaltend – voraus, dass sie in der Lage sein werden, das verlorene Volumen des ersten Quartals im Rest des Jahres zu kompensieren. Nur Toyota, die sich einen Vorrat an Halbleitern für mehrere Monate im Voraus gesichert haben, ist zuversichtlich, dass die Produktion nicht beeinträchtigt wird. Auch bei Hyundai-Kia, Polestar und MG scheinen Probleme nicht auf der Tagesordnung zu stehen. Schließlich stellen die meisten dieser Marken viele ihrer Komponenten selbst her. Oder wie der Spruch „was man selbst macht, macht man besser“ plötzlich auch in der Automobilindustrie zu funktionieren scheint.

Immerhin: Für einen neuen Dacia Spring muss man sich laut der deutschen Zeitschrift Auto, Motor & Sport 12 Monate lang gedulden. Der BMW i4 und der iX (beide 9 Monate) schneiden kaum besser ab, die Mercedes A-Klasse 250e (die Plug-in-Hybridversion, Anm. d. Red.) braucht ein Jahr. Der Peugeot 3008 und der Citroën C4 Cactus müssen ebenfalls lange warten. Beide Modelle werden erst in 8 Monaten bei Ihnen vor der Tür stehen.


Zu einer europäischen Halbleiterfabrik?

Wie können wir das in Zukunft verhindern? Die naheliegendste Lösung ist die eigene Produktion von Halbleitern. Obwohl Europa noch viele Autofabriken hat, ist es bei der Produktion von Halbleitern immer noch sehr abhängig von Asien. Aber das wird sich in Zukunft stark verringern, wenn es nach der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, geht. Sie war in ihrer Rede zur Lage der Union Anfang September sehr zielstrebig: Europa muss für die Produktion dieser Teile selbst verantwortlich sein. „Das ist nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Es ist auch eine Frage der technologischen Souveränität.“

Halbleiter seien ein unverzichtbarer Dreh- und Angelpunkt in der digitalen Wirtschaft, doch wegen des Mangels an ihnen arbeiteten in Europa bereits ganze Produktionslinien mit halber Kraft, erklärte von der Leyen. Die Nachfrage steige enorm, gleichzeitig sinke aber der Anteil Europas an der Wertschöpfungskette. „Wir sind auf fortschrittliche Chips aus Asien angewiesen“, stellte sie fest. Deshalb will die Kommission ein neues europäisches Gesetz für Chips vorschlagen. „Ziel ist es, gemeinsam ein fortschrittliches europäisches Ökosystem für Chips zu schaffen, das auch die Produktion umfasst. Dies soll unsere Versorgungssicherheit gewährleisten und neue Märkte für bahnbrechende europäische Technologie erschließen", sagte von der Leyen.


Und was ist mit Gebrauchtwagen?

Da die Leasinggesellschaften – notgedrungen – viele Leasingverträge verlängern mussten, gibt es auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt weniger Auslaufmodelle. Das macht sich auch bei ADESA bemerkbar, wo der Zulauf an Fahrzeugen auf der Plattform geringer ist als sonst. Letztlich können diese Leasingfahrzeuge aber nicht unbegrenzt verlängert werden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sie auf den Markt kommen.

Ein weiterer Faktor, der in den kommenden Jahren eine Rolle spielen wird, ist die Elektrifizierung der Flotte. Wird dadurch die Nachfrage nach Autos mit Verbrennungsmotoren zurückgehen? Laut Frank Van Gool, Geschäftsführer von Renta, nicht: „Die große Mehrheit unserer Autos mit Verbrennungsmotoren geht heute noch ins Ausland, vor allem nach Osteuropa. Und wir denken, dass dies noch ein paar Jahre so bleiben wird, weil die Ökologisierung dort langsamer verläuft.“